Zur Schulform

• Warum ist die SESB trotz sehr guter Beurteilung konstant gefährdet?

Die SESB leidet, wie alle anderen Berliner Schulen an chronischen Mangelzuständen. Als Schule besonderer pädagogischer Prägung und durch das spezielle Anforderungsprofil an Schüler*innen, Lehrkörper, Erzieher*innen und räumliche Gegebenheiten, wirkt sich dieser Mangelzustand besonders und existenzbedrohend aus.

Die SESB ist auch nach 25 Jahren noch nicht im Bewusstsein der Berliner als einzigartige und hervorragende „Schule für Alle“ angekommen. Hierfür ist u.a. die fehlende Werbung für diese Schulform sowie  allgemeine Unkenntnis des Konzepts und des Schulalltags verantwortlich. Dazu trägt weiter bei, dass die einzelnen Standorte jeweils in den Bezirken verwaltet werden und eine Koordinierende Stelle in der Senatsverwaltung fehlt. Dies bedingt das Nischendasein der eigentlich größten Berliner Schule mit immerhin 7000 Schüler*innen.Nach dem ursprünglichen Konzept waren alle Standorte zweizügig einzurichten, fortzuführen, bzw. dauerhaft auszubauen. Vorgesehen sind auch aktuell per Einrichtungsverfügung jeweils „…grundsätzlich mindestens zwei Züge…“

Trotz Übernachfrage werden aktuell einzelne Standorte statt ausgebaut, rückgebaut. Dies führt dazu, dass diese übernachgefragten Standorte nun einzügig sind. Gemäß der Einrichtungsverfügung vom 30.3.2012 sind einzügige SESB-Standorte – trotz aktueller (Herbst 2016) mündlicher Zusagen – von der Schließung bedroht.  Die Bezirksverwaltungen stehen trotz Schulergänzungsbauprogramm der Berliner Senatsverwaltung unter Druck.

Im Grundschulbereich sind die Bezirke nach dem Berliner Schulgesetz verpflichtet, allen Erstklässlern eine wohnortnahe Grundschule zuzuweisen. Im Gegensatz dazu erfolgt die Aufnahme von Erstklässlern an Grundschulstandorten der SESB unabhängig vom Wohnort. Diese Situation lässt die Standorte der SESB zur bezirklichen Dispositionsmasse werden.  Eine vergleichbare Ausprägung der unterschiedlichen Sprachrichtungen, der Pädagogik, der Finanzierung der Stellen und der Bezug zu zertifizierten Europakitas sollte einvernehmlich und überbezirklich festgelegt werden, damit nicht kurzfristige Erwägungen oder das Opportunitätsprinzip je nach Finanzlage dominieren. Die ausreichende Ausstattung mit muttersprachlichen Erziehern und Sozialpädagogen sollte zu den unbedingt erforderlichen Faktoren für das staatliche Bildungskonzept der SESB zählen.

Die staatliche Ausstattung der Schulstandorte mit im bilingualem Spracherwerb qualifiziertem Personal ist zu fordern. Tatsächlich aber wird dem chronischen Mangelzustand an den SESB-Standorten dadurch begegnet, dass Fördervereine die Finanzierung und oft auch Koordination von Erziehern und Sozialpädagogen durch die Eltern selbst zur Verfügung stellen.

Die Umsetzung des Schultyps SESB baut auf der Qualifikation und dem Engagement aller Beteiligten, insbesondere der Lehrer, Erzieher und Schulleiter auf. Daher benötigen die SESB-Standorte in besonderem Maße adäquate Ausschreibung und Auswahl des Personals unter speziellem Hinweis und Rücksicht auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der SESB. Hierzu zählt auch die Einstellung von interkulturell kompetenten Schulleitern, die das SESB-Konzept vertreten und fördern sowie die kontinuierliche Fortbildungen des in der SESB eingesetzten Personals mit spezifischen Angeboten für Themen, die für die SESB wichtig sind (z.B. Bilingualität, europäische Integration, kultureller Austausch).

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