Die Europa-Union Deutschland (EUD) ist die größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland. Unabhängig von Parteizugehörigkeit, Alter und Beruf engagieren wir uns für die europäische Einigung. Wir sind aktiv auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Die Europa-Union Berlin (EUB) möchte den Bürger:innen der Stadt und auch unseren Gästen zeigen, wo und wie in der Stadt Europa gegenwärtig ist und auf unser Leben wirkt. Dazu organisieren wir Europäische Kiezspaziergänge, um in unseren lebendigen Nachbarschaften europäische Spuren aufzuzeigen.


Unsere Kiezspaziergänge sind grundsätzlich als reelle Begegnung der Teilnehmer:innen und gemeinsame Erwanderung der Stationen mit persönlicher Begrüßung und Erläuterung der besuchten Einrichtungen konzipiert. Wegen der Corona-Pandemie und geltender Regeln ist dies zurzeit nicht möglich. So bald wie möglich werden wir dies aber nachholen.
Daher stellen wir jetzt den Kiezspaziergang digital zur Verfügung, sodass Interessierte unter Einhaltung der geltenden Kontaktbeschränkungen die Route ablaufen können. Für viele Stationen gibt es die Informationen sowohl zum Lesen als auch zum Hören als "Audio-Guide", an einigen Stationen mit zusätzlichen Audio-Interviews. Wer für den Spaziergang einen Papierausdruck als Routenbeschreibung vorzieht, kann hier ein PDF herunterladen. Selbstverständlich lässt sich der Spaziergang auch ganz virtuell vom Sofa aus "erlaufen". Anregungen und Anmerkungen nehmen wir gerne per Email an mail@europa-union-berlin.de entgegen. 

Europäischer Kiezspaziergang in Alt-Pankow

Pankow ist heute ein sehr großer Verwaltungsbezirk, der vom Prenzlauer-Berg bis hoch nach Buch reicht. Sein Kern ist das ehemalige Dorf Pankow, benannt nach dem Flüsschen Panke, das es durchschlängelt. Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten die Berliner:innen Pankow als Sommerfrische (wohin auch Bolle zu Pfingsten reiste!) und viele reiche Bürger:innen errichteten hier ihre Villen und Parks. Bis heute blieb der Bezirk auch Wohnort zahlreicher Schauspieler:innen, bildender Künstler:innen, Komponist:innen und Schriftsteller:innen. 1920 wurde Pankow zusammen mit Niederschönhausen und weiteren kleinen Dörfern der 19. Bezirk von Berlin. Hier siedelten sich auch viele jüdische Familien, Industrielle und Ärzt:innen an; von dem einstmals reichen jüdischen Leben blieben nur die Gebäude. Nach 1945 konzentrierten hier die Mächtigen der DDR ihre Wohnsitze um den Amtssitz des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, und nachfolgendem Sitz des Staatsrates im Schloss Schönhausen. Aber Pankow war auch ein Zentrum der DDR-Opposition. 1960 siedelte die oberste Führungsriege der DDR-Regierung nach Wandlitz um. 1990 fanden in einem Nebengebäude des Schlosses (jetzt Bundesakademie für Sicherheitspolitik) die 2+4-Verhandlungen statt, auf denen die Grundlagen zur deutschen Wiedervereinigung geschaffen wurden. Es hat sich also viel Historisches und Politisches in Pankow getan, das auch für die europäische Entwicklung von großer Bedeutung war und ist.

 

Die Route

Station 1: U/S-Bahn-Station Pankow

Wegbeschreibung: Zum Start unseres Spaziergangs versammeln wir uns gleich gegenüber dem S- Bahngebäude unter dem großen Garbáty-Schriftzug. Die jüdische Familie Garbáty-Rosenthal fertigte ab 1906 in Pankow Zigaretten im industriellen Maßstab, u.a. die Marke „Königin von Saba“, auch Königin von Pankow genannt. 1938 wurde die Familie enteignet und floh in die USA. Wir laufen das kurze Stück zum Ende der Florastraße zur Berliner Straße, überqueren diese an der Straßenbahnhaltestelle und halten uns links. Nach etwa 50 m geht es rechts in die Hadlichstraße, wo schon das erste Gebäude auf der rechten Seite unsere 2. Station ist.

 

Station 2: Montessori Schule

Hadlichstraße 2

Das schöne ehemalige evangelische Gemeindehaus beherbergte früher ein Kinderheim und eine Diakonissenstation. Es wurde mit Förderung des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) energetisch saniert und zu einem Schulgebäude umgewidmet. Die Freie Integrative Montessori– Grundschule Sternwiese Pankow ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule mit musikalisch-künstlerischem Schwerpunkt und hat Platz für fast 100 Kinder. Die Montessori-Pädagogik mit ihren heilpädagogischen Prinzipien legt die Grundlage für eine fast seit einem Jahrzehnt gelebte und erfolgreiche Inklusion aller Kinder. Träger der Schule ist der Verein „KARUNA Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not e. V“. Mehr Informationen zur Montessori Schule gibt es unter https://montessori-schule-pankow.jimdo.com/ 


Wegbeschreibung: Wir folgen der Hadlichstraße in einem weiten Bogen vorbei an der ehemaligen Zigarettenfabrik Garbaty bis zur Breiten Straße, die wir an der Ampel überqueren. Gleich links erreichen wir den Amalienpark und unsere 3. Station.

 

Station 3: Ehemaliges Wohnhaus von Christa Wolf

Amalienpark 7

Diese exklusive vornehme Wohnanlage wurde 1897 von der „Landhausbaugesellschaft Pankow“ errichtet und gleich nach der Wende vollständig saniert. Hier lebte im Haus 7 die Schriftstellerin Christa Wolf mit ihrem Mann Gerhard Wolf von 1988 bis zu ihrem Tod am 1. Dezember 2011. Sie zählte zu den bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR und wurde vielfach ausgezeichnet. Von 1963 bis 1967 war sie Kandidatin des Zentralkommittees (ZK) der SED. 1974 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Bereits 1972 unternahm sie eine Reise nach Paris und besuchte ab 1975 mehrfach die USA zu Studien- und Lehraufenthalten. 1979 wurde sie in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen und 1980 als erste in der DDR lebende Autorin mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. 1981 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (West) und 1984 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris. Christa Wolf trat immer für einen offenen Sozialismus ein. Sie sprach sich 1965 auf dem 11. Plenum des ZK der SED (auch „Kahlschlagplenum“) als einzige Rednerin gegen eine neue restriktive Kulturpolitik aus. Da sie zu den Unterzeichnern des „offenen Briefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns“ gehörte, wurde sie 1977 aus dem Vorstand der Berliner Sektion des Schriftstellerverbandes der DDR ausgeschlossen. Christa Wolf war eine der Rednerinnen bei der Demonstration gegen die Politik in der DDR am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Zu Christa Wolfs politischer Vergangenheit kam es 1993 zu einer Kontroverse, als bekannt wurde, dass sie von 1959 bis 1962 als Informelle Mitarbeiterin für die Stasi tätig gewesen war. Sie hatte drei Berichte verfasst, die allerdings ein ausschließlich positives Bild der betroffenen Personen zeichneten. Entsprechend beendete die Stasi die Zusammenarbeit. Ihre USA-Aufenthalte verarbeitete Christa Wolf in dem 2010 erschienenen Werk "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud". Sie reflektierte ihr Erleben der Nachwendezeit, ihre prinzipielle Treue zu der Idee eines Sozialismus und ihr Erschrecken vor den Auswirkungen des Kapitalismus wie dem Elend der Schwarzen und dem Ersten Irakkrieg. Ende 2013 wurde in Berlin die Christa Wolf-Gesellschaft gegründet. Der Verein setzt sich gemäß Satzung zum Ziel, das Studium und die Verbreitung der Werke von Christa Wolf, die Pflege ihres Nachlasses und die Erinnerung an ihr Leben zu fördern.

Wegbeschreibung: Wir verlassen den Amalienpark nach hinten zur Wolfshagener Straße und halten uns links bis zur Kavalierstraße. Dort biegen wir nach rechts ab. Am Ende der Kavalierstraße erreichen wir den Schlosspark. Etwas rechts finden wir einen Eingang und gehen in einem weiten Boden links, über eine kleine Pankebrücke, zur Ossietzkystraße. Dort stehen wir vor den Eingangshäusern unserer 4. Station.

 

Station 4: Bundesakademie für Sicherheitspolitik

Ossietzkystraße 44/45

An diesem Ort wurde vor etwa 30 Jahren europäische Geschichte mitgeschrieben. Am 22. Juni 1990 fand hier eine der vier Verhandlungen des sogenannten 2+4-Vertrags statt. 2 plus 4 steht für die damals zwei deutschen Staaten – BRD und DDR – sowie die vier Alliertenmächte des zweiten Weltkriegs, Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und USA.

Offiziell heißt der 2+4-Vertrag „Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland“, in diesem verzichteten die vier Mächte auf ihr Vorbehaltsrecht in Bezug auf Deutschland. Dies war ein wichtiger und entscheidender Schritt für die deutsche Wiedervereinigung und den Frieden in Europa.Einige Monate zuvor von Dezember 1989 bis März 1990 tagte in diesem Gebäude auch der „Runde Tisch“, der im Zuge der friedlichen Revolution verschiedene Gruppierungen in der DDR zusammen an einen Tisch brachte und so die Wendezeit maßgeblich mitgestaltete.

Wegbeschreibung: Wir gehen weiter bis zum Schloss und biegen nach links zum Ausgang in die Tschaikowskistraße. Dort stehen wir an unserer 5. Station.

 

Station 5: Schloss Schönhausen und ehemaliges Gästehaus der DDR

Tschaikowskistraße 3

Hier, mitten in Pankow, im ehemaligen Gästehaus der DDR-Regierung und im Schloss Schönhausen nebenan, traf in der Zeit der DDR Preußische Geschichte auf das diplomatische Protokoll und internationale Politik.

Das Schloss Schönhausen, das zur Zeit Friedrichs des Großen als Sommerresidenz von Elisabeth Christine von Preußen genutzt wurde, war von 1949 bis 1960 Amtssitz des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Er empfing mehrere ausländische Staatsgäste hier, u.a. Nikita Chrustschow.

Ab Mitte der 1960er Jahre wurde das Schloss zu einem repräsentativen Staatsgästehaus umgewidmet, was für die DDR-Führung äußerst wichtig war, um internationale Anerkennung zu erhalten.Da das Schloss selbst zu klein war, um neben den Staatsgästen selbst auch die begleitenden Delegationen (politische Berater:innen, Sicherheitskräfte, etc.) unterzubringen, wurde neben dem Schloss ein Apartmenthaus errichtet, fortan das Gästehaus der DDR-Regierung. Es sollte die DDR als modernes, weltoffenes Land repräsentieren. Die spezielle Architektur und die „Kunst am Bau“ unter Mitwirkung vieler renommierter Künstler, z.B. der Bildhauer Fritz Kühn, der Maler Walter Womacke und der Glaskünstler Richard Wilhelm, sollten dies unterstreichen. Hierzu finden sich weitere Infos auf einer Gedenktafel am Grundstückseingang (Achtung, das Grundstück selbst ist Privateigentum). Hier, mitten in Pankow, kamen bis 1989 viele internationale, nicht nur europäische Gäste an – aus Ost und West: z.B. Fidel Castro, Indira Gandhi und zuletzt Michail Gorbatschow.

Wegbeschreibung: Wir gehen die Tschaikowskistraße weiter bis zur Stillen Straße. Hier biegen wir links ein und erreichen den Majakowskiring. Nach rechts erreichen wir bei der Nummer 47 unsere 6. Station.

 

Station 6: Polnische Akademie der Wissenschaften

Majakowskiring 47

Das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (ZHF) wurde 2006 gegründet. Es ist eine von sechs Einrichtungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Ausland und die erste mit einem geschichtswissenschaftlichen Profil und eigenen Forschungsprojekten. Ihre Aufgabe ist die Erforschung der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte im europäischen Kontext. Der Fokus des ZHF beruht auf der Durchführung eigener - gemeinsamer und individueller - Forschungsprojekte, an denen Wissenschaftler:innen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern beteiligt sind. Zu den Projekten des ZHF gehören u.a.: eine 9-bändige Publikation „Deutsch-polnische Erinnerungsorte“, an der 130 Wissenschaftler:innen aus sieben europäischen Ländern teilgenommen haben; das „Klaus-Zernack-Kolloquium“ als internationales Forum zur Präsentation von wissenschaftlichen Projekten, die in verschiedenen Ländern Europas und der Welt initiiert wurden und sich inhaltlich mit Polen und deutsch-polnischen Themen auseinandersetzen; eine Sommerakademie als eine Möglichkeit der Zusammenkunft junger Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt, die transnationale neue Perspektiven auf verschiedene historische Fragen erforschen; eine Bibliothek, deren Bestand über 12.000 Bände umfasst, darunter vor allem polnische Publikationen, die in anderen Berliner Lesesälen nicht erhältlich sind. Zudem leitet das ZHF ein Projekt, in dessen Rahmen ein polnisch-deutsches Geschichtslehrbuch mit dem Titel „Europa. Nasza historia / Europa - unsere Geschichte“ erarbeitet wird. Mehr Informationen zum ZHF gibt es unter http://www.cbh.pan.pl/de.

Wegbeschreibung: Wir folgen dem Majakowskiring in einem Bogen, vorbei an den mit Gedenktafeln gekennzeichneten ehemaligen Wohnhäusern des Otto Grotewohl, von 1949 bis 1964 Ministerpräsident der DDR (Nr. 46/48 gleich gegenüber) und dem Dichter und DDR Kulturminister Johannes R. Becher (Nr. 34), der Dienstvilla des einzigen Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck (Nr. 29), sowie der „Kasbaumschen Villa“ des Pankgrafen und Fotografen Richard Kasbaum, später auch Gästehaus der DDR-Regierung, jetzt Handelsvertretung der VR China (Nr. 2), bis wir zurück auf die Ossietzkystraße gelangen. Wir folgen ihr nach rechts bis zur Breiten Straße, wo wir unsere 7. Station sehen.

 

Station 7: Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“

Breite Straße 38

Dort wo jetzt der Verkehr der Breiten Straße um die langgestreckte Insel strömt, war früher der Dorfanger von Pankow. Neben der Kirche gab es hier noch bis 1890 das Spritzenhaus und fünf Gefängniszellen, sowie eine Dorfschule, die erst in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges zerbombt wurde. Heute wird hier der Wochenmarkt abgehalten. Die Pfarrkirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der alte Feldsteinbau wurde Mitte des 19. Jahrhundert um das dreischiffige Langhaus und die Türme erweitert. 

Initiiert von der Pfarrerin Ruth Misselwitz und ihrem Ehemann Hans-Jürgen Misselwitz gründete sich hier im Herbst 1981 der Pankower Friedenskreis, der sich gegen das atomare Wettrüstens in Ost wie West und die Stationierung von amerikanischen und sowjetischen Atomraketen in Mitteleuropa stellte. Er forderte die Überwindung von Feindbildern auf beiden Seiten und unterstützte den Olof-Palme-Vorschlag der „gemeinsamen Sicherheit“, implementiert durch die KSZE in ihrer Helsinki-Schlussakte von 1975, später „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE). Das brachte dem Kreis das Misstrauen beider deutscher Regierungen ein. Er wurde daraufhin als Sicherheitsrisiko eingestuft und von der Stasi überwacht. In den 1980er Jahren war der Kreis ein Treffpunkt engagierter Menschen für Frieden, Umwelt, Gerechtigkeit und Anders Leben. 1989/90 beteiligten sich Viele am demokratischen Aufbruch, an Runden Tischen und Parlamenten. Für seine Mitglieder wurde der Friedenskreis zu einer Art „Schule für die Freiheit“, in der demokratische Kommunikations- und Handlungsperspektiven aufgezeigt und eingeübt werden konnten. Das belegt eindrucksvoll eine Sammlung von Interviews und Dokumenten des Kreises, erschienen als Buch „Ich wurde mutiger“. Nach der Wende blieb der Kreis weiter aktiv und engagiert sich in der Friedens-, Umwelt- und Flüchtlingspolitik. Bis heute gibt es monatliche Treffen des Kreises, sowie Offene Abende und Gemeindetage zu aktuellen Themen. Mehr Informationen zum Friedenskreis gibt es unter http://www.friedenskreis-pankow.de/index.html.

Wegbeschreibung: Vor der Kirche stehend sehen wir schon im Hintergrund unsere 8. Station, den roten Klinkerbau des Rathauses von Pankow. Wir laufen über den Marktplatz vorbei an der „Halbmondträgerin“, eine Plastik des Künstlers Trak Wendisch. Wir überqueren die Breite Straße nach links und gleich rechts die Mühlenstraße. Nach wenigen Schritten stehen wir vor dem Rathauseingang.

 

Station 8: Rathaus Pankow

Breite Straße 24a-26

Auch das Rathaus Pankow hat etwas mit Europa zu tun. Denn hier hat die Europabeauftragte des Bezirks ihr Büro. Die Europabeauftragte, das ist Dr. Ute Waschkowitz. Sie ist Ansprechpartnerin für europapolitische Vernetzung und Förderung der europäischen Integration auf lokaler Ebene. Sie berät das Bezirksamt in allen EU-Angelegenheiten, informiert Bürger:innen, Verbände, Vereine, Träger und Unternehmen in Fragen zu europäischen Förderprogrammen und anderen EU-Themen. Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/eu-angelegenheiten/ 

Interview mit der EU-Beauftragten Dr. Ute Waschkowitz:  

Wegbeschreibung: Wir verlassen das Rathaus nach links und biegen in die Neue Schönholzer Straße ein. Nach wenigen Schritten stehen wir auf der rechten Seite vor der Jugendkunstschule juks.

 

Station 9: Jugendkunstschule juks

Neue Schönholzer Straße 10

Die Jugendkunstschule Pankow bietet in ihren Werkstätten Kurse und Workshops in den künstlerischen Techniken Malerei, Grafik, Druck, Bildhauerei, Bauen, Keramik, Fotografie, Video, digitale Medien, Mode und Theaterspiel an. Die Angebote der Werkstätten richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region. Die Kurse der Juks Pankow werden für Schüler:innen aller Altersstufen von 5 bis 20 Jahren angeboten. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt in der besonderen Förderung künstlerisch begabter älterer Schüler:innen, die sich für ein Studium an einer Kunsthochschule interessieren. Die Juks Pankow wurde 1993 gegründet. Seit 1997 ist sie in der Neuen Schönholzer Str. 10 beheimatet; sie verfügt über 12 Werkstatträume auf drei Etagen. Das Team der Kursleiter:innen und Werkstattleiter:innen ist zusammengesetzt aus Meisterschüler:innen, Kunstlehrkräften, Kunststudierenden und natürlich freischaffenden Künstler:innen.

Die Finanzierung aller Werkstätten und Projekte erfolgte bis 1996 vorrangig aus Projektmitteln des Senatsprogramms "Jugend mit Zukunft". Nach dem Auslaufen dieses Programms unterstützt der Bezirk Pankow die Einrichtung. Die Differenz zwischen bezirklichen Mitteln und tatsächlichem Bedarf wird jeweils aus Spendengeldern finanziert. Der Verein "Freunde der Jugendkunstschule Pankow" unterstützt die Einrichtung in ihrem Anliegen, weiterhin einen festen Platz im Rahmen der kulturellen Landschaft des Bezirkes einzunehmen.

Im Rahmen der Städtepartnerschaft von Pankow mit Kolobrzeg (Kolberg, Polen) findet seit 2014 jährlich im Herbst ein ART Camp abwechselnd in Pankow und Kolobrzeg statt. 20 Jugendliche aus den Partnerstädten erproben gemeinsam in Ateliers und Workshops verschiedene Ausdrucksformen und künstlerische Techniken. Die Ergebnisse werden am Schluss in einer Ausstellung präsentiert. Die Städtepartnerschaft wird vom Deutsch-Polnischen-Jugendwerk des Bezirksamts Pankow und den Freunden Kolbergs e.V. kontinuierlich und politisch unabhängig gepflegt. Solche Städtepartnerschaften sind eine lebendige Form des europäischen Zusammenwachsens. Mehr Informationen zur juks von der Website www.juks-pankow.de

Wegbeschreibung: Wir kehren zurück zur Breiten Straße und wenden uns nach links. Nach wenigen Schritten stehen wir vor der „Alten Bäckerei“, unsere Station10.

 

Station 10: Alte Bäckerei

Wollankstraße 130

Im Jahr 1875 erwarb der Bäckermeister Carl Hartmann das Anwesen. Er erweiterte es um einen Treppenbau und den Backstubenanbau. Die Familie Hartmann betrieb bis 1964 die Bäckerei und sorgte per Brotwagen und Pferd für das leibliche Wohl der Nachbarschaft mit Brot und Backwaren. 1964 musste Karl Hartmann seine Bäckerei wegen Krankheit schließen. Bis zum Jahr 2000 war das Gebäude bewohnt. 2001 wurde das Anwesen „Alte Bäckerei” durch die Bauherrin Ruthild Deus übernommen. Ihr gelang es mit Hilfe von öffentlichen Fördermitteln die Gebäude und Außenanlagen denkmalgerecht zu sanieren. Die Förderer sind Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), das Landesdenkmalamt Berlin, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Bonn und das Bezirksamt Pankow von Berlin. Der eingetragene gemeinnützige Verein „Alte Bäckerei Pankow“ es sich zum Ziel gesetzt, das alte denkmalgeschützte Anwesen der Bäckerei in der Wollankstraße als Kultur- und Begegnungsstätte für Jung und Alt zu betreiben. Schwerpunkte der Arbeit sind: Betreiben einer Schaubäckerei und Ausstellung zum historischen Backhandwerk, Einrichtung eines Museums für Kindheit mit wechselnden Ausstellungen zum Kindheitsalltag in Pankow und Berlin, Führungen durch das Anwesen zur Baugeschichte der Gebäude, Workshops, Veranstaltungen und verschiedene Kurse für Jung und Alt, Gestaltung einer Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Kultureinrichtungen. Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.alte-baeckerei-pankow.de/index.php 

Wegbeschreibung: Wir folgen der Wollankstraße, überqueren sie auf die rechte Seite und erreichen die Schulzestraße. Die Nr. 1 ist unsere 11. Station.

 

Station 11: SprachCafé Polnisch

Schulzestraße 1

Das SprachCafé Polnisch ist ein offener Begegnungsort für Sprache, Kultur und Kommunikation mitten in Pankow. Seit 2012 gibt es das SprachCafé, seit 2018 befindet es sich in den Räumlichkeiten in der Schulzestraße. Es kommen viele verschiedene Menschen aller Altersstufen dorthin – einige sind neu in Pankow, andere leben schon lange hier und haben Wurzeln in Polen. Das SprachCafé, das auch eng kooperiert mit anderen Migrantenorganisationen und Sprachgruppen, ermöglicht mit seinen verschiedenen Angeboten generationsübergreifende Begegnungen und ist ein Ort der Mehrsprachigkeit – und zum Wohlfühlen. Denn neben dem kleinen Café und dem Veranstaltungs- und Seminarraum bietet das SprachCafé auch einen gemütlichen Vorgarten, eine kleine Hausbücherei und Raum für Kreativität, zum Beispiel für Schreibwerkstätten und Ausstellungen von Künstler:innen.

Um noch mehr über das SprachCaféPolnisch zu erfahren, hören Sie hier ein Interview mit Agata Koch, der Vorsitzenden und Initiatorin des SprachCafés.
 

Wegbeschreibung: Wir unterqueren die S-Bahn auf der Wollankstraße und erreichen rechts den Aufgang zu den Gleisen.

 

Station 12: S-Bahnstation Wollankstraße

Wir beenden den Spaziergang hier.

Für Teilnehmer:innen, die mit einem Rad unterwegs sind, empfehlen wir noch zwei weitere Stationen (13 und 14), die etwas weiter entfernt liegen.

 

Station 13: Sowjetisches Ehrenmal Schönholzer-Heide

Germanenstraße

Das Ehrenmal ist eine Gedenkstätte und Soldatenfriedhof der sowjetischen Kriegsgräberstätten, auf welchem 13.200 der etwa 80.000 in der Endphase (Schlacht um Berlin) im März/April 1945 gefallenen Soldaten der Roten Armee beigesetzt wurden. Vor dem Obelisken befindet sich das Hauptdenkmal, eine Statue der russischen „Mutter Heimat“, welche um ihren gefallenen Sohn trauert.

Die Gedenkstätte wurde von Mai 1947 bis November 1949 errichtet und hat eine Fläche von 27.500 m². Die Schönholzer Heide, im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel, war während des Zweiten Weltkriegs Standort eines großen Zwangsarbeiterlagers. An sowjetische Opfer der Konzentrationslager erinnert ein Gedenkstein hinter dem Obelisken. Dass an diesem Ehrenmal auch sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht wird ist eine Besonderheit, denn unter Josef Stalin wurden Kriegsgefangene pauschal als potentielle Kollaborateure gesehen.

Aufgrund des Vertrages über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion vom 9. November 1990 begann Anfang 2011 eine Instandsetzung des Ehrenmals. Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Ehrenmal am 13. August 2013 durch den damaligen Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller gemeinsam mit dem Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der Russischen Föderation Wladimir M. Grinin feierlich wiedereröffnet und ist seitdem öffentlich zugänglich. Dies ist ein eindrucksvoller Ort zum Gedenken der schrecklichen Gräuel der Nazizeit und des 2. Weltkrieges.

Station 14: Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow

Blankenfelder Chaussee 5

Auf dem Gelände des einst größten Schulgartens Berlins bietet der Botanische Volkspark Blankenfelde- Pankow auf einer Fläche von 34 Hektar denkmalgeschützte Bau- und Gartenkunst aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, umgeben von wertvollen naturbelassenen Wäldern und Wiesen. Die Grün Berlin GmbH übernahm vom Bezirk Pankow zum Anfang des Jahres 2011 die Entwicklung und den Betrieb des Botanischen Volksparks Blankenfelde-Pankow. Der Erhalt und Ausbau dieses Landschaftsschutzgebietes wurde mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung und des Landes Berlin realisiert. Für die Parkentwicklung liegt ein Nutzungskonzept vor, das eine zeitgemäße Wiederaufnahme des ursprünglichen Bildungszwecks der Anlage vorsieht. Zusätzlich sollen weitere Angebote im Bereich Freizeit und Gesundheit die Attraktivität der öffentlichen Grünanlage für die Besucher*innen erhöhen. Der Park bietet denkmalgeschützte Schaugewächshäuser, eine geologische Wand, eine Imkerei, ein Wildgehege und auch ein Café zum Rasten.

Mehr Informationen finden Sie unter: https://gruen-berlin.de/projekte/parks/botanischer-volkspark/ueber-den-park