Botschafterinnengespräch

Französische Botschafterin im Gespräch

Bericht von Dr. Hans Jörg Schrötter


Die Aufzeichnung des gesamten Botschafterinnengesprächs finden Sie im
YouTube-Kanal der Europa-Union Berlin.

Einige Zitate haben wir auf Twitter gesammelt.


Vor dem Fenster weht die Tricolore neben der Europafahne. Vor der Französischen Botschaft rauscht eine Fontäne. Dahinter der Blick hinaus auf den Pariser Platz und das Brandenburger Tor. Die Optik stimmt. Es ist Deutsch-Französische Partnerschaft pur.

Diesseits der hellen Fensterfront, im großen Saal der Französischen Botschaft, finden wir uns zum Gruppenfoto zusammen. Zahlreiche Freunde der JEF, unsere Co-Vorsitzende der EUB, Katharina Borngässer, unser Moderator Florian Staudt - Und, in der Mitte, natürlich -  I.E. Anne-Marie Descôtes, Botschafterin der Französischen Republik in Deutschland.

Kurz zuvor war unser traditionelles “Botschaftergespäch” im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft zu Ende gegangen. Eingeladen hatte die Europa-Union Berlin e.V. gemeinsam mit der Botschaft der Französischen Republik in Deutschland und den Jungen Europäischen Föderalist:innen Berlin-Brandenburg e.V.

Nach einführenden Worten von Katharina Borngässer für die EUB und von Valentin Petri für die JEF hatte uns die Botschafterin 90 Minuten lang Rede und Antwort gestanden. Schon ihr Einführungsvortrag war eindrucksvoll. Diplomatisch ausgewogen, aber auch überraschend konkret schilderte sie uns rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Schwerpunkte, aber auch die Probleme während der französischen Ratspräsidentschaft, die am 30. Juni 2022 endet. Man hatte sich viel vorgenommen. Beispielhaft verwies sie darauf, dass es gelte, die Handlungsfähigkeit Europas zu stärken. Sie freue sich, dass der Wunsch nach einem “souveränen Europa” auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung prominent formuliert sei. Leider wurde das ambitionierte Programm seit Ende Februar vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine überschattet.

Als ein Höhepunkt der französischen Präsidentschaft waren am 9. Mai 2022 die Ergebnisse der Konferenz zur Zukunft Europas in Straßburg präsentiert worden.

In der anschließenden Fragerunde leuchtete ein weites Spektrum an Themen auf. Natürlich gab es Fragen rund um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Sie glaube, dass die EU hier mit einer Stimme spreche. Immerhin habe man in kurzer Zeit 5 Sanktionspakete geschnürt. Sie mahnte aber auch, die Länder des Westbalkan zu unterstützen, und ging ebenso sorgfältig auf die schwierige Konsensfindung bei der Migrationspolitik wie auf die Schwierigkeiten mit Mehrheitsentscheidungen in der EU ein.  

Natürlich war die deutsch-französische Zusammenarbeit ein Thema. Sie räumte ihr einen besonderen Stellenwert im Gefüge der EU ein, machte aber auch keine Hehl daraus, dass man immer wieder von verschiedenen Standpunkten und Sichtweisen aus aufeinander zu gehen und Lösungen finden müsse. Dass hier sogar das Wort “mühevoll” fiel, zeugt von ihrer Ehrlichkeit. Aber, so die Botschaftern, es sei “der Mühe wert”. Deutschland und Frankreich, das sei schließlich der Dreh- und Angelpunkt unserer Integration. Sehr persönlich ließ sie sich auf die Frage ein, was sie an Deutschland schätze - an einem Land, in dem sie verschiedene Stationen Ihres beruflichen Lebens verbracht hat. Ihr Bild von Deutschland, kurz gefasst: “Sehr vielfältig, sehr bunt, sehr rund, manchmal kantig”.

Dann die Frage an die Gäste: “was verbinden Sie mit Frankreich?” Es wurde bunt. Die Antworten reichten von “Macron und Croissants” über “savoir vivre”, “Marseillaise oder “ Rotwein” bis zu “Grande Nation”. Voilá.

Unser Moderator Florian Staudt, selbst beim Deutsch-Französischen Jugendwerk aktiv, leitete die Veranstaltung ebenso souverän wie effizient. Er blendete auf dem Bildschirm wichtige Fragen aus der Konferenz zur Zukunft Europas ein, über die wir online abstimmen konnten. Und obwohl er jedem die Chance gab, sich zu äußern, hielt er den Zeitplan punktgenau ein.

Zum Ausklang wurden wir mit pfiffigen Spezialitäten der französischen Küche - also mit dem, was der Franzose “amuse gueule” nennt -, sowie mit Champagner und französischem Wein verwöhnt. Eigentlich sollte Frankreich viel öfter die Ratspräsidentschaft übernehmen!


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